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10. August 2020

Andersartigkeit – Mein Weg zur Alexandertechnik

Für unsere Mitmenschen ist es leichter Verständnis für unser Handeln aufzubringen, wenn wir uns verletzlich zeigen, die wahrhaften Gründe für unser Tun offenlegen. Und es ist gleichzeitig die größte Herausforderung unserer Zeit, dies zu tun. Eines habe ich in den letzten Jahren meiner Ausbildungen gelernt; es gibt keine perfekten Menschen. Wir mögen noch so liebevoll und großzügig sein, in jedem von uns steckt eine Schattenseite, eine dunkle Ecke, ein nicht verarbeitetes Schockerlebnis. So wie jede Medaille zwei Seiten hat, können wir nicht immer das Richtige tun. Und was ist richtig? So unterschiedlich wir uns mit unseren einzigartigen Erfahrungen in dieser Welt zeigen, es gibt etwas das uns alle verbindet. Unser Lebensatem und die Endlichkeit unseres Lebens. Wir können uns nicht von den Lernprozessen in unserem Leben befreien, sie sind die größten Geschenke, wenn wir unsere Augen für sie öffnen.

Den genauen Zeitpunkt meiner Verwandlung kann ich nicht festmachen. Es begann mit einem Drang, einem Sehnen nach etwas Unbegreiflichen. Ich hatte mit Anfang 20 die Gewissheit, dass dort draußen etwas Großes auf mich wartet. Fern von Partnerschaft, Karriere, Familie und all den Dingen die mein Leben prägten. Inzwischen weiß ich, dass nicht draußen etwas auf mich wartet, sondern dass der größte Schatz, der göttliche Funken in mir ist, wie auch in dir und in jedem Wesen, das mit uns in diesem Kosmos lebt. Ich bin ein eigener Kosmos und gleichzeitig untrennbar mit diesem Universum verbunden. Es gibt Dinge, die unser menschliche Verstand nicht begreifen kann. Hätten wir als Menschheit es geschafft Verstand und Herz auf eine Ebene zu bringen, ich bin davon überzeugt, unsere Welt wäre eine andere. Aus dem Herzen heraus zu leben, ist das Kostbarste was wir schenken können. Ein Leben aus Verstandesgründen zu führen ist einfach nur grau und leblos. Und ich weiß wovon ich spreche, denn ich habe bisher den Ansprüchen einer Gesellschaft genügt, habe einen soliden Beruf erlernt und die unterschiedlichsten Sachen ausprobiert um meinen Platz zu finden. Neugierig wo die Erfüllung auf mich warten mag. Immer auf der Suche nach Anerkennung und Wertschätzung von außen. Dies kann ich nur teilen, weil ich Gewissheit habe, dass es jedem von euch da draußen ebenso geht. Ohne Anerkennung, ohne Zugehörigkeit sind wir Nichts. Unser Ego verliert seine Existenzberechtigung und aus dieser Angst heraus handeln wir. Wir können natürlich daran arbeiten unser Ego aufzulösen oder wir machen es uns zum Freund, lernen es kennen, so dass wir es steuern können und nicht umgekehrt.

Mein Lebensweg hat mich durch einige Täler geführt, während einige ihr Leben als Täter verbringen, war ich das Opfer. Ein Opfer meines eigenen Lebens. Und es ist ein langer Prozess, wie das Verpuppen einer Raupe, sich seiner Rollen bewusst zu werden und sich daraus zu befreien. Ich würde sagen, es ist ein lebenslanger Prozess. Schließlich zu erkennen, niemals nur Opfer sein zu können, öffnete mir die Augen für den Täter, der ebenfalls in mir existiert. So schließt sich der Kreis. Immer.

Inzwischen weiß ich, dass das Leben ein einziger sich wandelnder Kreis ist, immerzu in Veränderung. Der einzige Halt der existiert, ist die Vertrautheit zu meiner Seele und der Verbindung zum Göttlichen. Dieses Wort hat nichts mit Kirche oder Religion zu tun, so wie wir sie erschaffen haben.

Das Leben führt uns, wenn wir uns dem Fluss hingeben. Und oftmals anderswohin als wir gedacht hätten. Ich habe davon geträumt mit Tieren zu arbeiten und auf einem riesigen Hof zu leben, dort wo die Welt noch in Ordnung ist. Das ich jetzt mit Menschen arbeite und sie unterstütze auf ihrem Weg zum göttlichen Funken, habe ich nie erwartet.

Mir ist irgendwann klar geworden, dass sich nichts im Leben ausschließen lässt. Der Schmerz lässt sich nicht wegsperren, die Trauer nicht verbergen und Angst lässt sich nicht verleugnen. So habe ich durch Meditation begonnen meinen Geist zu läutern und bin auf diesem Yogaweg immer mehr zu der Erkenntnis gekommen, wie wichtig es ist, den Körper einzubeziehen. Er ist mein Werkzeug in diesem Leben, er wohnt in meiner Seele. So bin ich dem Ruf in den Wald gefolgt, habe zwischen Hitze und Kälte auf dem Erdboden gelegen und am Feuer getanzt um mich lebendig zu fühlen. Und die berührendsten Erlebnisse waren die Begegnungen mit Menschen, wahrhaftige Begegnungen, unverschleiert von „wer bist du“ und „was kannst du“, es waren Herzensbegegnungen. In diesen Momenten wurde mir klar, dass mein Leben so wie ich es bisher geführt habe, nicht mehr funktioniert.

Meine Suche hatte längst eine Dynamik erreicht, die nicht mehr zu bremsen war. Ich suchte weiter in der Verbindung mit Pferden, diese feinfühligen Wesen offenbarten mir ihre tiefe Weisheit des Seins im Augenblick. Eines Tages stürzte ich mit einem Pferd in den Sand, uns beiden war nichts geschehen, doch der Schock, das Kontrolle eine Illusion ist, ließ etwas in mir erstarren. Eine Mitreiterin hat mir dann die Alexandertechnik empfohlen. Anfangs sehr skeptisch hatte ich meine erste Einzelstunde, die mir offenbarte, was alles in mir verborgen liegt. Ein unerschöpfliches Potenzial, die größte Schönheit und ein Leuchten. Ich wollte mehr davon. Und weil ich mir sicher war, dass dies in jedem einzelnen Menschen ruht, auf unglaublich vielfältige Weise, begann ich die Ausbildung, um dir zu zeigen, dass du nicht dein Beruf bist und du bist auch nicht das, was du über dich denkst. Du bist einzigartig und voller Möglichkeiten.

Mein Dank gilt sehr vielen Menschen, die mir in den letzten zehn Jahren begegnet sind. Ganz besonders danken möchte ich Bruce Fertman, Margarete Tüshaus, Celia Jurdant-Davis, Marsha Rademacher und Jack Silver sowie Jaime Caso Villavicencio für ihre Liebe zum Leben.

 

29. April 2018 

Unsere Sehnsucht nach Frieden

Ein heikles Thema, denn während wir darauf hoffen, dass die Tagesthemen endlich die Nachricht bringen „Es ist Frieden auf Erden!“, vergessen wir eines: Den Frieden in uns selbst zu kultivieren.

Wir vergessen, dass nicht nur jedes Wort und jede Tat eine Auswirkung hat, sondern auch jeder einzelne Gedanke. Beginnen wir deshalb bei uns selbst… so klein die Auswirkung vorerst erscheinen mag, sie spinnt einen Faden in die Welt hinaus und knüpft an, an andere Fäden. Wir alle kennen die Situation, selbst mit einer guten Freundin oder einem guten Freund, etwas läuft nicht ganz nach unserer Vorstellung und schon ist sie da… Abneigung. Vielleicht äußern wir direkt was uns nicht passt, vielleicht ist da einfach nur dieser Gedanke „Du...“ und dieser Gedanke macht etwas, er erzeugt ein Gefühl, er hat Einfluss auf unsere Beziehung zueinander und er hat Einfluss auf den eigenen Körper. Dabei ist diese Diskrepanz ganz natürlich… es begegnen sich zwei Individuen mit unterschiedlichen Wahrnehmungen. Und schließlich sind wir es die urteilen… so wie du bist, bist du für mich nicht richtig. Damit wird ein negatives Spannungsfeld erzeugt. Jeder Mensch hat sehr individuelle Gründe für sein Handeln, er schöpft aus seinen Erfahrungen, die er im Leben gemacht hat, oft unbewusst. Je weniger liebevolle Erfahrungen wir sammeln, desto schwerer fällt es uns, liebevoll mit unserer Umwelt zu sein. Die gute Nachricht ist, dass wir jederzeit die Möglichkeit haben NEUE wertvolle Erfahrungen zu machen. Oft reicht dafür ein kleiner Anstoß ans Unterbewusstsein… da war doch was, erinnere dich, es geht auch anders!

Und dann gibt es da noch etwas anderes, tückisches: Den Spiegel. Wir erkennen in unserem Gegenüber das, was wir in uns selbst ablehnen. Wir glauben natürlich, so könnten wir niemals sein… ein Trugschluss. Viele Paare erleben das, manche schon nach sechs Monaten, andere erst nach langer Zeit… Plötzlich ist die Liebe einem anderen Gefühl gewichen, dieses Gefühl kann sogar Hass sein. Der Partner erkennt sich in diesem Moment selbst im Spiegel des anderen, seine versteckten Anteile kommen zum Vorschein und alles was er tun möchte, ist weglaufen. Vor sich selbst.

Wir vergessen, dass es in jedem von uns Gefühle von Angst, Wut und Hass gibt, genauso wie jeder Mensch Liebe, Freude und Dankbarkeit empfinden kann. Verdrängen wir, was in uns ist, so schlummert es im Verborgenen, ungesehen, damit wird es zu einer trügerischen Waffe… oft gegen uns selbst. Wir sind viel damit beschäftigt in Kategorien einzuteilen „gut“, „schlecht“, „ganz böse“. Dabei kann zum Beispiel die Wut eine Kraft in uns freisetzen, die etwas in unserem Leben in Gang setzt. Wir brauchen dafür nicht zerstörerisch im Außen werden, wir können in uns selbst das Feuer entfachen, Müll verbrennen und in uns neu geboren werden.

Diese bedingungslose, vorurteilsfreie Begegnung mit uns selbst erfordert vor allem eines: Mut. Denn wir werden uns bewusst, was für eine Weisheit, Kraft und Liebe wirklich in uns ruht, die gesehen und gelebt werden möchte. Wahrscheinlich haben wir sogar mehr Angst vor dieser Lebendigkeit in uns, als vor den vielen kleinen Toden, die wir sterben, wenn wir nicht hinschauen.

Würde jeder Mensch auf der Erde sich bedingungslos und eigenverantwortlich seinen inneren Dämonen stellen, ohne dass eine Projektion in die Außenwelt geschieht, gäbe es Frieden auf Erden.

Jeder von uns kann jetzt beginnen, anzuerkennen was in ihm steckt, liebevoll mit sich zu sein und dabei ein Lächeln an die Welt zu schenken. Denn dieses Leben ist nicht dafür gedacht, angepasst in einer Rolle zu stecken, sondern in echter Verbindung und Vertrautheit zu sein… mit sich selbst… mit Mutter Erde… auf der jeder von uns gleichwertig ein Zuhause hat!

 

07. Oktober 2017

Zeit des Wandels…

Der Herbst lädt uns ein innezuhalten, dem Werden und Vergehen nachzuspüren und Danke zu sagen, für die Früchte, die wir geerntet haben… Erntedank!

Den Früchten, die unseren Körper genährt haben und denen, die unsere Seele genährt haben.

Und diese Zeit lässt uns bewusst werden, dass alles im Leben dem Wandel unterliegt, wir stetig in Bewegung sind und dass unser Dasein auf Mutter Erde vergänglich ist. Oft erscheint es uns, als hätten wir ewig Zeit unsere Träume zu verfolgen, als würde unser Sein niemals enden.

Gestern bin ich am „Lea-Drüppel-Theater“ in Haltern am See vorbei geschlendert. Die junge Frau ist beim Flugzeugabsturz im Jahr 2015, zusammen mit ihren Mitschülern und zwei Lehrerinnen, im Alter von 16 Jahren ums Leben gekommen. Ihre Familie hat ein Zeichen gesetzt, hat den Traum, den Lea leben wollte, wahrhaftig werden lassen. Diese Momente sind es, die uns erinnern, jetzt im Leben anzukommen… denn es kann unvorhergesehen vorbei sein.

Wir können lernen uns nicht krampfhaft ans Leben zu klammern, sondern all die kleinen Tode, die wir im Alltag erleben, willkommen zu heißen, um daraus etwas Neues zu erschaffen. Das bedeutet, unser Leben in jeder Sekunde zu schätzen und im Augenblick zu baden.

Wann hast du das letzte Mal die Nase in den Wind gestreckt, um das sanfte Streicheln auf deiner Haut zu spüren? Dich in den Sturm gedreht, bis er dir den Atem raubt? Dein Gesicht dem Regen zugeneigt, um jeden Wassertropfen aufzunehmen?

Wann hast du das letzte Mal aus tiefster Kehle geschrien? Getanzt, als würde dir niemand zusehen?

Wann hast du zuletzt gezittert vor Kälte, dich an der Hitze des Feuers verbrannt, dich verausgabt, bis dein ganzer Körper bebte und du nach Luft ringen musstest?

Manchmal braucht es Grenzmomente bis wir uns, unseren Körper wieder spüren, dabei ist in jedem Augenblick die pure Lebendigkeit versteckt und wir sind zu beschäftigt, um sie wahrzunehmen.

Fühlst du das Blut, wie es in deinen Adern pulsiert? Spürst du den Herzschlag in deiner Brust, in deinem Bauch, ja vielleicht in deinem Rücken? Die Wärme deiner Organe? Kannst du deinen Emotionen folgen, wie sie in Wellen durch deinen Körper getragen werden? Fühlst du deine Füße auf Mutter Erde, wie du mit ihr verbunden bist und was für ein Wunder dahinter verborgen liegt?

Dein Verstand wird sagen: „Keine Zeit mir darüber Gedanken zu machen, es gibt Wichtiges zu tun.“ Ich lade dich ein, dieser zarten Stimme in dir zu lauschen, die vielleicht noch schläft, deinem inneren Heiler, deiner inneren Heilerin zu vertrauen, die weiß was zu tun und zu lassen ist, um für dein Wohlergehen, deine Gesundheit, deine Träume, für deine Liebe und für deine Lieben zu sorgen… in dieser Zeit des Wandels...